Podiums-Diskussion 16.7.2015 19 Uhr

+++Eilmeldung 14.7.2015+++
Wegen der Griechenlandkrise tagt der Bundestag diese Woche Donnerstag und Freitag in einer Sondersitzung, so dass MdB Frank Tempel leider nicht an unserer Diskussion teilnehmen wird 
können. Für die Partei DIE LINKE kommt Jost Leßmann, Linke Drogenpolitik Niedersachsen, Bundesvorstand der Grüne Hilfe e.V..


Cannabis Social Clubs - Ein Modell für die Legalisierung
Ort: Heidelberg Stadtbücherei, Hilde-Domin-Saal

Im Podium:
  • Frank Tempel - MdB DIE LINKE, Drogenpolitischer Sprecher 
  • Emanuel Kotzian - Europaweite Kamapgne 'CSC ist OK!'
  • Dominik Koblitz, Landesvorsitzender RCDS (Ring Christlich-Demokratischer Studenten  Baden-Württembergs), Landesvorstand CDU Baden-Württemberg
  • Ralf Krämer, M.A. Soz., Leiter der Fachstelle Sucht Heidelberg im Baden-Württembergischen Landesverband für Prävention und Rehabilitation gGmbH
Moderation:
  • Mariana Pinzón Becht

Hier ist die Veranstaltung auf facebook

Fotos
Sarah Mirow, DIE LINKE

Personen von links:

- Claudius Klueting, stellvertretender Vorsitzender des Rings Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) in Baden-Württemberg

- Ralf Krämer, M.A. Soz., Leiter der Fachstelle Sucht Heidelberg im Baden-Württembergischen Landesverband für Prävention und Rehabilitation gGmbH

- Moderatorin Mariana Pinzón, Hanfverband Rhein-Neckar

- Jost Lessmann, DIE LINKE mit Schwerpunkt Drogenpolitik sowie Vorstand der Grünen Hilfe e.V.

- Emanuel Kotzian, Initiator der europaweiten Kampagne ‘CSC ist OK!’ sowie Herausgeber des Hanfjournals

Kurz-Bericht:

Mehr als 50 Personen folgen am Donnerstag, den 16.7.2015 im Hilde-Domin-Saal der Stadtbücherei Heidelberg der Einladung des Hanfverbandes Rhein-Neckar und der Gemeinderatsfraktion DIE LINKE/PIRATEN zu einer Podiumsdiskussion zum Thema ‘Cannabis Social Clubs - Ein Modell für die Legalisierung?’, welche in Kooperation mit der Kampagne ‘CSC ist OK!’ durchgeführt wurde. Gemeinderätin Sarah Mirow von DIE LINKE erinnert in ihrer Einführung an das international erkennbare Umdenken im Umgang mit Cannabis und sprach sich für selbstbestimmten Konsum von selbstbestimmten Menschen aus.


Emanuel Kotzian definiert einen Cannabis Social Club (CSC) einleitend als Verein erwachsener Mitglieder, welche Hanf gemeinsam anbauen und ohne Gewinnabsichten untereinander teilen. Für ihn sind CSC’s die sinnvollste Form der Legalisierung. Er berichtet aus Spanien, wo die Verfügbarkeit von Cannabis für Jugendliche durch die vielen CSC’s wider allen Unkenrufen abgenommen hat, weil die Mitglieder sich verpflichten, das Cannabis nicht weiterzugeben, was auch funktioniere.


Herr Klueting plädiert (für einige wohl überraschend) klar für eine Entkriminalisierung von Cannabis (“der bei unter Dreissigjährigen weitverbreitete Joint am Wochenende gehe in Ordnung, sofern es nicht in eine Sucht abdriftet”), aber auch klar gegen eine vollständige Legalisierung.


Suchtberater Krämer bezeichnet die Kriminalisierung von Erwachsenen, welche gelegentlich und verantwortungsvoll Cannabis-konsumoeren, als Frechheit. Gleichzeitig erinnert er daran, dass es auch Verlierer*innen einer Cannabis-Legalisierung geben wird, weil jede Liberalisierung die Verfügbarkeit und damit die Anzahl der Konsument*innen erhöhe. Als Beispiel zitiert er “Verelendungs-Biografien”, welche nur durch den Gebrauch von Cannabis entstehen. Er versteht die Rolle der Suchhilfe in einem CSC dahingehend, dass Mitglieder, welche durch ihren Konsum Probleme bekommen sollten, von speziell geschulten Mitgliedern des Clubs angesprochen und an eine professionelle Beratung vermittelt werden können. Darüberhinaus sind für ihn die Zielgruppen eines CSC und der Suchthilfe komplett unterschiedlich. Dies ist kein Wunder, wenn man bedenkt, dass die Suchthilfe einen erheblichen Anteil Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14 - 22 Jahren berät bzw. behandelt, bei denen das Prinzip ‘Hilfe statt Strafe’ nach §35 BtmG in besonderem Masse eine Anwendung findet. Sofern eine Legalisierung von Cannabis in der Zukunft kommt, präferiert Herr Krämer staatlich betriebene Fachgeschäfte.


Jost Lessmann erklärt die Unterschiede zwischen dem CSC-Modell, welches mittels Ausnahmegenehmigung und mit der bestehenden Gesetzeslage möglich ist, und dem Cannabis-Kontrollgesetz der Grünen. Ein CSC passe sowohl zur (typisch deutschen) Organisation in Vereinen sowie zu den von den Linken favorisierten Modellen ohne Kapitalismus. Das Gesetz der Grünen bietet im Gegensatz dazu eine Komplettlösung an, mit welcher der Anbau zum Eigengebrauch, der Verkauf in lizensierten Fachgeschäften und die Besteuerung umfassend und unter Berücksichtigung des Jugendschutzes reguliert wird.

Jost Lessmann betont darüberhinaus und leidenschaftlich die unfaire, aber tatsächlich gelebte “Ersatzstrafe Führerschein”. Einmalig unter allen Substanzen führt bereits ein bestimmter Anteil an Cannabis-Abbauprodukten im Körper zu Zweifeln an der Fahreignung bis hin zum Entzug des Führerscheins. Konkret fällt darunter bereits der Joint, welcher eine Woche zuvor konsumiert wurde!


Unter der Moderation von Mariana Pinzón können gegen Ende der Veranstaltung zahlreiche Fragen aus dem Publikum beantwortet werden, z.B. zur (verbotenen) Kultur der nicht-berauschenden Hanfpflanze/-faser und die notwendige Kommerzialisierung des Anbaus von Nutzhanf nach einer Legalisierung.

Presse

Ankündigung (15.7.2015) und Bericht (20.7.2015) in der Rhein-Neckar-Zeitung:











Deutscher Hanfverband vom 20. Juli 2015
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